Märchen

Märchen gehören mit zu den ältesten menschlichen Überlieferungen und zählen zu unseren größten Kulturgütern und Schätzen. Sie haben nie an Kraft und Wirkung auf uns verloren, egal aus welcher Zeit sie auch stammen mögen.

Märchen waren und sind noch heute wegweisend für die meisten Geschichten die geschrieben wurden oder erzählt werden. Viele große Denker und Dichter haben sich ihrer angenommen und sich an ihnen orientiert. Bis heute.

Märchen haben vieles überlebt im Laufe der Jahrtausende: Kriege, Mord und Todschlag, große Reiche, kleine Reiche, das Wachsen und Sterben alter Hochkulturen, Helden, wechselnde Herrscher und Tyrannen, Naturkatastrophen und Völkerwanderungen. Um nur einiges zu nennen.

All das haben sie überdauert. Sie sind ein wahres Wunder. Und genau das ist die Kraft der Märchen. Sie können uns zum Staunen bringen, wenn wir ihnen wirklich zuhören. Sie entführen uns in andere Welten und Zeiten - jenseits unserer persönlichen Realität. Es ist die faszinierende Welt der Sprache: Nahrhaft, bildgewaltig, voller Phantasie und Weisheit.

Märchen verzaubern uns, lassen uns wieder Träumen. Sie machen uns Mut: Jeder Held/Heldin, der/die in die Fremde zieht, kehrt bereichert und geläutert von seiner Reise zurück. Märchen erzählen von Sehnsüchten und Hoffnungen, von Wahrheit und Gerechtigkeit, von Schicksal und Leidenschaft, Dramen von Sehnsucht, Liebe. Es sind unsere tiefsten und weisesten Geschichten. Sie spiegeln wieder, was uns Menschen - unabhängig von Kultur und Religion - tief im Inneren immer bewegen wird. Das Leben eben!

Märchen erzählen von der Liebe, die Berge versetzen kann. Sie berichten aber auch von der Liebe, die nicht vom Himmel fällt und erlernt werden muss. Hindernisse und Prüfungen stehen dem Helden/der Heldin bevor. Sie müssen kämpfen, scheitern, Grenzen überwinden und daran wachsen. Helfer und Rivalen an ihrer Seite. Und nur wer mutig den Weg weitergeht, findet sein ganz persönliches Glück.

Märchen ist nichts fremd: Das Böse, Faulheit, Hinterlist, Gier, Neid, Missgunst, Prahlsucht oder zerstörerische Wut finden sich eben so oft im Märchen wie das Gute, Liebe, Fleiss, Treue, Aufopferung, Mitgefühl und Freigiebigkeit.

Märchen haben keine Angst vor Phantasie und Wundern.

Märchen lassen das Irrationale zu. Das, was wir heute versuchen zu verdrängen.

Märchen erzählen von Werten und Moralvorstellungen. Sie unterliegen kulturell bedingten Maßstäben.

Märchen gibt es auf der ganzen Welt, in jedem Kulturkreis. Sie sind ein Tor zur Seele ihres Ursprungslandes. Sie sind der Reichtum der Kulturen und ermöglichen uns einen Blick in das Fremde, Symbole, Sitten und Gebräuche anderer Länder.

Märchen bringen uns auf die Spur uralter Zeiten. Die Geschichte unserer Welt. Und ihre Geschichten führen uns unmittelbar zum Märchenkosmos.